Der grosse Fotoguide für die perfekte Passform_Titelbild
Inspiration und Unterwegs

#nähbuchDienstag: Lieblings-Nähbuch Der große Fotoguide für die perfekte Passform

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Willkommen beim letzten #nähbuchDienstag in 2018! Es ist zwar erst November – aber der letzte Dienstag im Dezember liegt so schön in der Weihnachtszeit, dass ich entschieden habe, die Dezember-Edition zugunsten der Weihnachts-Entspannung ausfallen zu lassen 😊. Bevor wir einen Blick in das November-Buch „Der große Fotoguide für die perfekte Passform“ werfen, möchte ich Euch allen ein großes Danke schön sagen: Ich habe so viele positive Rückmeldungen auf die Serie #nähbuchDienstag bekommen, so viele Kommentare und private Nachrichten – es freut mich sehr, dass Euch die Artikel gefallen! Ursprünglich wollte ich die Serie nur ein Jahr laufen lassen, aber danke Eures schönen Feedbacks habe ich entschieden, sie um ein Jahr zu verlängern und auch in 2019 einmal im Monat ein besonderes Näh-Buch vorzustellen. Einen Überblick über die in 2018 vorgestellten Büchern findet Ihr am Ende dieses Artikels, aber jetzt schauen wir uns erstmal das Buch für diese Ausgabe an: Der große Fotoguide für die perfekte Passform!

Das Buch ist Nachschlagewerk und Lehrbuch in einem. Man kann es benutzen, um bestimmte Passformprobleme schnell zu beheben, oder aber auch, um es von vorne bis hinten durchzuarbeiten und möglichst viel über Passform zu lernen. Unterteilt ist das Buch in drei Teile: Erstmal geht es um Grundlagen, im zweiten Teil lernt man mit bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie man konkrete Passformprobleme behebt. Damit man das Buch während dem Arbeiten möglichst komfortabel neben sich legen kann, hat es eine Ringbindung. Die Seiten bleiben also dort aufgeschlagen, wie man sie hingelegt hat.

Der grosse Fotoguide für die perfekte Passform_Bequemlichkeitszugabe
Der Einstieg: Bequemlichkeitszugaben bei den unterschiedlichen Silhouetten

Im Grundlagen-Teil geht es genau um das: Grundlagen zur Passform. Die ersten Kapitel sind recht kurz gefasst, es soll nur einen allgemeinen Einstieg geben. Es geht um Bequemlichkeitszugaben, die verschiedenen Silhouetten von Kleidungsstücken, wie man sich selbst und Schnittmuster ausmisst und die passende Größe wählt. Interessant wird es dann nach den ersten 20 Seiten – hier beginnt der Teil zur Erkennung von Passformproblemen. Diesen Teil finde ich persönlich super hilfreich: Mit Bildern von Nesselmodellen an echten Körpern werden die Zugfalten gezeigt, die bei verschiedenen Passformproblemen entstehen. Dann wird erklärt, wie man diese Probleme behebt und das Schnittmuster entsprechend anpasst. Die Korrekturen basieren dabei auf dem „Rahmenkonzept für Anpassung“ von Autorin Sarah Veblen: Sarah arbeitet mit „Körper-Achsen“. Sie geht davon aus, dass beispielsweise die horizontale Körperachse immer gerade sein muss. Wenn das Schnittmuster noch nicht optimal passt, führt das zu Verschiebungen der Achse. Und wenn man Schritte unternimmt, um diese Verschiebungen zu korrigieren, passt das gute Stück. Das klingt komplizierter als es ist – vor allem muss man es sich nicht merken, weil glücklicherweise jeder Schritt detailliert mit vielen Fotos erklärt ist 😊. Ist sozusagen nur der theoretische Unterbau der Methode.

Der grosse Fotoguide für die perfekte Passform_Einschneiden und Markieren
Zugfalten und wie man sie wegbekommt…
Der grosse Fotoguide für die perfekte Passform_Schritt für Schritt Passform
Mehr Zugfalten und deren Lösung
Der grosse Fotoguide für die perfekte Passform_Nahtlinien neu ziehen
Hier wird gezeigt, wie man die Passform-Korrektur auf das Schnittmuster überträgt…
Der grosse Fotoguide für die perfekte Passform_Schritt für Schritt Schnittmuster anpassen
… oder wie man das Schnittmuster aufschneidet und “umklebt”.

Während im Grundlagen-Teil einzelnen Passform-Probleme betrachtet werden, geht es im zweiten Kapitel „Entwickeln Sie Ihre Fähigkeiten“ um den kompletten Arbeitsprozess beim Anpassen von Kleidungsstücken. Anhand von sechs Kleidungsstücken wird der Anpassungsprozess von vorne bis hinten an unterschiedlichen Figuren erklärt. Also beispielsweise: Wenn ich Problem A bei einem Rock behoben habe, kann das unter Umständen zu Problem B führen, das ich als nächstes löse usw. Ich fand das Kapitel deswegen gut, weil man viel über die richtige Reihenfolge von Änderungen erfährt. Die folgenden Kleidungsstücke werden im Detail betrachtet: Rock, Oberteil mit Abnähern, Oberteil mit Prinzessnähten aus der Schulter, Jacke mit eingesetzten Ärmeln, Tunika mit Prinzessnaht aus dem Ärmelausschnitt und ein Oberteil mit Raglanärmeln. Damit hat man dann all das Handwerkszeug, was man grundsätzlich braucht und kann die Veränderungen auch auf „verwandte“ Kleidungsstücke anwenden, wie z.B. Kleider.

Der grosse Fotoguide für die perfekte Passform_Abnäher und Taille
Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Anpassung eines Rocks.

Diesen Schritt-für-Schritt-Prozessanleitungen folgt der Teil, den ich am liebsten zum Nachschlagen verwende: Die Passformänderungen für bestimmte Figurtypen. Dahinter verbergen sich solche Dinge wie das FBA, das Full-Bust-Adjustment, also die Anpassung für eine große Oberweite, oder die Ärmelanpassung bei breitem Biceps etc. Und mein besonders Highlight: Ein ganzes Kapitel über das Anpassen von Hosen! Damit stehe ich ja besonders auf dem Kriegsfuss…

Der grosse Fotoguide für die perfekte Passform_Oberweitenänderungen
Hier erkennt man ganz gut, warum Brustanpassungen nötig sein können.
Im Großen Fotoguide für die perfekte Passform wird einem ausführlich gezeigt, wie man eine geänderte Passform vom Nesselmodell auf das Schnittmuster überträgt.
Der Grund für viele Hosen-Passform-Probleme: Die Schrittlänge und -form
Der grosse Fotoguide für die perfekte Passform_Praktische Hosenanpassung
Schritt für Schritt zur passenden Hose!

Im letzten, relativ kurzen Teil geht es dann darum, wie man die Schnittelemente, die von Passformänderungen betroffen sind, „passend“ macht. Also zum Beispiel Belege, Krägen oder das Futter. Super viel Mehrwert liefert dieses Kapitel aus meiner Sicht nicht, weil sich die Änderungen eigentlich immer direkt aus der Hauptänderung ableiten. Aber es sorgt zumindest dafür, dass man die Anpassung bei diesen Teilen nicht vergisst und dann frustriert ist, dass man einen Kragen hat, der nicht auf die Nahtlinie des Oberteils passt.

So, für wen ist „Der große Fotoguide für die perfekte Passform“ jetzt geeignet? Aus meiner Sicht richtet sich das Buch ganz klar an die fortgeschrittenen Näher/innen – entweder ambitionierte Hobbyschneider/innen oder sogar Massschneider/Änderungsschneider, die mal schnell was nachschlagen wollen. Die einzelnen Passform-Probleme sowie deren Lösung sind sehr ausführlich beschrieben – man muss also Lust auf das Thema haben, sonst überfordert der Titel einen schnell. Ich finde das Buch eine super Aufbau-Lektüre zu meinem absoluten Liebling Die perfekte Passform – wer also eine wirklich optimale Passform erreiche möchte bzw. lernen möchte, wie er für andere Leute anpasst, ist mit dem Titel wirklich gut bedient! Kommen wir zum Flying Needle-Nähblog-Fazit:

Titel: Der große Fotoguide für die perfekte Passform von Sarah Veblen

Ausstattung: 224 Seiten mit Hardcover-Ringbindung

Verlag: Stiebner Verlag

Preis: 29,90€

Erhältlich: im lokalen Buchhandel (ggf. auf Bestellung), direkt beim Verlag oder bei Amazon (in Deutschland und Österreich gilt übrigens die Buchpreisbindung, d.h., alle Bücher kosten überall gleich, egal wo man sie kauft; es lohnt sich also, den lokalen Handel zu unterstützen!)

Das war’s für die letzte 2018-#nähbuchDienstag-Ausgabe! Wer Lust hat, nochmal durch die anderen vorgestellten Bücher zu schmökern, findet die einzelnen Blogartikel hier:

Januar: Vintage Modeklassiker der 1920er bis 1970er Jahre von Jo Barnfield

Februar: Die Perfekte Passform von Joi Mahon

März: Die Nähbücher von Gertie Hirsch

April: Schöner Nähen mit Profitechniken von Naoko Domeki & Shihoko Makino

Mai: Weekend Style von Caroline Hulse

Juni: Stoff-Manipulation von Ruth Singer

Juli: Eigene Schnittmuster Herstellen für Röcke und Kleider von Alice Prier & Lilia Tisdall

August: Der richtige Stoff für Ihr Nähprojekt von Christelle Beneytout

September: Nähen Sie Ihre eigene Capsule Wardrobe von Arianna Cadwallader & Cathy McKinnon

Oktober: Männermode Nähen von Tobias Milse

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* Das Buch ist im Stiebner Verlag erschienen, den meine Familie betreibt; ich habe das Buch daher kostenlos erhalten; Alle hier dargestellten Meinungen sind aber nicht gekauft und einzig meine eigenen. Der Amazon-Link ist ein Affiliate-Link – das heißt, wenn Ihr darüber bestellt, erhalte ich eine kleine Provision. Aber weil ich selbst ein großer Fan von „physischen“ Buchhandlungen bin: bestellt lieber dort 😊!

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4 Comments

  1. Andrea

    Das klingt nach einem interessanten und fundierten Buch! Ein großer Busen scheint heute häufiger zu sein, deshalb wird eine Anpassung für einen kleinen Busen wohl so oft vernachlässigt. Da steht dann vielleicht nur noch, dass man bei SBA alles umgekehrt machen soll… Wie ist das in diesem Buch?
    Danke, dass du die Rubrik im nächsten Jahr fort führst, ich find sie super!
    LG
    Andrea

    1. Melanie

      Hallo Andrea, du hast absolut Recht, über das Thema SBA bin ich auch erst vor kurzem gestolpert. Und es ist in dem Buch tatsächlich auch ganz gut erklärt – das einzige was fehlt, ist bei einem SBA mit Abnäher eine genaue Angabe der cm, die man wegnehmen muss. Aber das liegt daran, dass die Autorin ein Fan vom Nesselmodell ist, wo man’s je nach Figur “wegzwacken” kann. Ich habe vor, das demnächst bei meiner Coco Jacket von Sew Over It auszuprobieren – ich berichte dann hier auf dem Blog, ob’s geklappt hat! Liebe Grüße, Melanie

  2. Katrin

    Hallo Melanie,
    erstmal danke für den tollen Blogbeitrag.
    Wie unterscheidet sich das Buch im Vergleich zu dem Buch von Joi Mahon, welches du im Februar vorgestellt hattest? Ich habe auch das Hohlkreuz-Thema. Kannst du mir da eine Empfehlung geben?
    Liebe Grüße,
    Katrin

    1. Melanie

      Hallo Katrin, danke für deinen Kommentar und das Kompliment! Der Fotoguide ist ein bisschen ausführlicher als Joi Mahons Buch und arbeitet stärker mit den Bildern von Nesselmodellen, so dass man die Zugfalten etc. besser sieht. Ich würde sagen, für Einsteiger, die erstmal mit der Materia Passform anfangen wollen, ist das Buch von Joi Mahon ein bisschen einfacher. Umfangreicher und detaillierter ist der Fotoguide. Ich habe tatsächlich ein, zwei Jahre Jois Buch verwendet und bin erst kürzlich auf den Fotoguide umgestiegen, weil ich mittlerweile ein besseres Gefühl für Passform habe und mehr verstehe.
      Mit dem Hohlkreuz-Thema: Ich habe ein Tutorial auf meinem Blog, wie man die Änderung bei einem Schnittmuster ohne Rückennaht macht, wenn du “Hohlkreuz” in die Blog-Suche eingibst, müsstest du es finden. Ansonsten: Meistens liegen die Passform-Probleme bei Hohlkreuz daran, dass die Rückenlänge kürzer ist als im Schnittmuster vorgesehen. Wenn du deine Rückenlänge von der Ausschnittnaht hinten bis zur Taille misst und diese dann mit dem Maß auf dem Schnittmuster abgleichst, bekommst du dein Gefühl dafür. Wenn du einen Rock hast, ist die Änderung ganz einfach: Einfach einen “Keil” von der Seitennaht bis zu hinteren Mitte laufen lassen. Der Taillenpunkt auf der Seitennaht bleibt gleich, aber du nimmst zur hinteren Mitte hin Länge weg und der Stoff legt sich gut an den Rücken an. Ich mache demnächst auch zu dieser Änderung nochmal ein Tutorial, also halte die Augen offen! Hoffe, das hilft, viele Grüße, Melanie

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