Inspiration und Unterwegs

#nähbuchdienstag: Lieblings-Nähbuch Vintage – Modeklassiker der 1920er bis 1970er Jahre

Wie ich Euch in meinen #sewingtop5 “Reflection and Goals 2018” erzählt habe, ist es dieses Jahr einer meiner Vorsätze, Euch jeden Monat ein Nähbuch für Fortgeschrittene vorzustellen. Unter dem Hashtag #nähbuchdienstag könnt Ihr ab sofort an jedem letzten Dienstag im Monat eine Buchvorstellung hier finden. Für diesen Post hier habe ich Anfang Januar in meinen Instagram-Stories zwei Bücher zur Auswahl gestellt: “Vintage Modeklassiker” und “Der große Fotoguide für die perfekte Passform”. Zu meiner Überraschung hat das Vintage-Buch gewonnen! Ich fand das Format der Instagram-Umfrage richtig gut, deswegen werde ich ab sofort immer am Anfang des Monats zwei Titel zur Auswahl stellen und den Gewinner dann im Laufe des Monats hier besprechen. Die Instagram-Umfrage findet ihr jeden ersten Dienstag im Monat in meinen Instagram-Stories, auch wieder mit dem Hashtag #nähbuchdienstag – folgt also dem Hashtag, wenn ihr bei den Umfragen dabei sein wollt!. Aber kommen wir zum eigentlichen Hauptdarsteller dieses Blog-Posts: das Buch “Vintage Modeklassiker der 1920er bis 1970er Jahre” von Jo Barnfield.Das Titelbild an sich wirkt schon ziemlich Vintage, weil irgendwie etwas altbacken. Aber davon sollte man sich nicht stören lassen, weil der Inhalt des Buchs richtig gut ist. Der Titel ist eine Mischung aus Schnittmuster-Sammlung samt Nähanleitungen und Sachbuch zu den einzelnen Mode-Epochen. Für den Einstieg erhält man einen Kurz-Überblick darüber, was die einzelnen Jahrzehnte zwischen 1920 und 1979 unterschieden hat.

Im Folgenden ist das Buch dann in Kapital für die einzelnen Bestandteile einer Garderobe unterteilt: Kleider, Blusen, Röcke, Hosen, Jacken und Mäntel, Dessours und Accessoires. Zuletzt gibt es dann noch zwei Kapital zu den Grundlagen des Nähens von Vintage-Kleidungsstücken. Die Kapitel zu den Kleidungsstücken sind immer gleich aufgebaut: Zunächst geht es um die verschiedenen Stile des Stücks über die Jahrzehnte hinweg, und dann gibt es ein paar Schnittmuster sowie passende Nähanleitungen dazu.

Ich finde vor allem den jeweils ersten Teil der Kapital interessant, die “Stile im Überblick”. Man erfährt auf jeweils einer Doppelseite den historischen Hintergrund zu besonders prägenden Stilformen und bekommt einen Überblick darüber, wie diese Stilform die heutigen Mode noch immer prägt. Im Kapitel Kleider werden beispielsweise die folgenden Stile vorgestellt: das Flapperkleid und das Kleine Schwarze der 1920er Jahre, der Schrägschnitt von Madeleine Vionnet der 30er Jahre, der Neckholder-Stil, der ab 1930 zu finden war und die natürliche Taille, die sich ab 1950 durchsetzte. Korrespondierend dazu gibt es Schnittmuster und Nähanleitungen für ein 20er-Jahre Kleid mit tiefer Taille, ein Ballkleid im 50er-Stil, ein 1960-Minikleid  und ein 70er Jahre Maxikleid.

Bei den Blusen geht es dann mehr um stilprägende Elemente der Bluse: Knöpfe und Bubikragen, die in den 20er aufkamen, den Reverskragen der 50er Jahre sowie den Spitzkragen und die Manschetten, die 1970 modern wurde. Dazu gibt es ein Basis-Blusenschnittmuster, das man anhand der Anleitung in verschiedenen Varianten auf die verschiedenen Stilrichtungen anpassen kann.

Im Kapitel Röcke erfährt man mehr über die beiden so unterschiedlichen Rockstile der 50er Jahre, den Bleistiftrock und den Tellerrock. Außerdem wird der Faltenrock der 50er-  und 60er Jahre vorgestellt. Mit einem Schnittmuster und einer Nähanleitung für einen Rock mit Kellerfalte im 50er-Jahre-Stil sowie für einen Tellerrock schließt das Kapitel ab.

Bei den Hosen startet die Stilrichtungs-Vorstellung mit dem Sport- und Freizeit-Look, der in den 30er Jahren aufkam. Es folgen die heute wieder so modernen Einteiler (bzw. modern Onesies!), die besonders die 70er Jahre prägten. Und natürlich dürfen auch die Jeans nicht fehlen, die 1950 aufkamen. Der Schnittmuster-Teil fällt leider etwas dürftig aus: Es gibt ein Schnittmuster für eine Schlaghose, die irritierender Weise in dem Stilrichtungs-Kapitel gar nicht vorkam.

Dafür macht das Kapitel Jacken und Mäntel umso mehr Lust auf Stil-Experimente: Es werden die Formen der Kurz-Jacke/Mantels vorgestellt, die in den 40er Jahren aufkamen, sowie der “Kimono-Schnitt”, der besonders in den 50ern en vogue war. Dazu gibt es zwei Schnittmuster mit Anleitung, die viel Raum für Spielereien lassen: eine taillierte kurze Jacke sowie eine Kastenjacke im Chanel-Stil.

Bei den Dessous bekommt man einen Überblick über Stützwäsche, Petticoats und Unterröcke, die der Vintage-Mode zum perfekten Sitz verhelfen. Es gibt Schnittmuster und Anleitungen für ein Unterkleid und sogenannte “French Knickers” aus den 20er Jahren, ein Unterkleid der 40er Jahre sowie ein Petticoat und Bustier für die 50er-Jahre-Mode.

Besonders spannend zum Anschauen fand ich das Kapitel zu den Accessoires: Man lernt etwas darüber, wie Handschuhe, Schals, Turbane und Pill-Box-Hüte die jeweiligen Outfits kompletierten. Und man kann sich auf Basis des Schnittmusters sein Pill-Box-Hut selbst fertigen.

Zu den beiden letzten Kapiteln zu den Grundlagen des Nähens möchte ich gar nicht viel Worte verlieren. Es steht dasselbe drin wie in jedem Nähbuch. Aus meiner persönlichen Sicht könnte man sich diese Kapitel gerade in Nähbüchern für fortgeschrittene sparen – wenn ich etwas nachschauen muss, nutze ich eh lieber meine Technik-Bücher. Aber wer alles beiander haben will, findet in diesem Kapiteln nochmal alle wichtigen Techniken für die Schnittmuster.

Im Summe kann man sagen: “Vintage Modeklassiker der 1920er bis 1970er Jahre” ist ein Titel für Leser/innen, die Spaß an Vintage haben, aber die Stilrichtung nicht “professionell” verfolgen. Die Schnittmuster sind alle so erstellt, dass sie in unserer heutigen Welt gut tragbar sind, sind also eher von den Vintage-Stilrichtungen inspiriert denn “richtige” Vintage-Schnittmuster. Mir kommt das sehr entgegen, weil ich modisch nicht mutig genug bin, richtige Vintage-Mode zu tragen, aber die verschiedenen Stil-Elemente schon spannend finde. Der Titel ist außerdem eines der wenigen Nähbücher, die ich richtig gelesen habe – die Stilrichtungs-Teile laden so richtig zum Schmökern ein, während ich viele meiner Bücher dann doch eher nur zum Nachschlagen verwende. Auf zum Flying Needle Nähblog-Fazit:

Titel: Vintage Modeklassiker der 1920er bis 1970er Jahre
Autor: Jo Barnfield
Ausstattung: Broschur, 192 Seiten und eine CD-ROM mit den PDF-Schnittmustern
Preis: 19,90 €

So, das war’s mit der ersten Buchbesprechung in 2018 – wenn ihr über den Titel für die Februar-Besprechung mitbestimmen wollt, dann folgt mir auf Instagram und beteiligt Euch Anfang Februar an der Umfrage in meinen Stories! Ansonsten freue ich mich auch über Kommentare mit weiteren Buchtipps!

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Disclaimer: Das Buch “Vintage Modeklassiker” wurde mir kostenlos vom Stiebner Verlag zur Verfügung gestellt. Alle hier dargestellten Meinungen sind aber ausschließlich meine eigenen.

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5 Comments

  1. Du hast das Buch wunderbar zusammen gefasst. Der Theorie Teil zur Historie ist prima. Von den Schnittmustern war ich sehr enttäuscht. Diese sind in dem Burda Buch Modeklassiker selber nähen erheblich interessanter. LG Anja

    1. Melanie

      Hallo Anja, ja, nach den Burda-Schnitten hab ich auch schon ein 60iger-Jahre-Kleid genäht, das hat großen Spaß gemacht! Ich mag das Buch allerdings sowieso vor allem als “Lese-Buch” ;-). Liebe Grüße, Melanie

  2. Hast Du auch schon was nach den Schnittmustern aus dem Buch genäht? Ich habe mir dieses Buch bereits vor einigen Jahren gekauft. Es war ganz neu in unserer Buchhandlung. ich habe es durchgeblättert und mich von den schönen Themen und Bildern verleiten lassen, es zu kaufen. Als ich mir dann die Zeit nahm, es genauer zu durchblättern, war ich doch ziemlich enttäuscht. Es sind zu vielen Modellen die Schnitte gar nicht enthalten, was man auf dem ersten Blick so nicht sehen konnte. Aber andererseits ist es eh egal, ich habe einiges daraus genäht und muss sagen, die Passform lässt absolut zu wünschen übrig!
    LG Carolin

    1. Melanie

      Hallo Carolin, ja, ich hab das kleine Schwarze genäht und fand die Passform für mich sehr gut. Ich habe allerdings meine Standard-Änderungen am Schnittmuster gemacht (kürzer, zwischen Taille und Hüfte in die größere Größe gradieren und eine Hohlkreuz-Anpassung). Aber das muss ich bei jedem Schnittmuster machen, deswegen hat es mich nicht gestört. Schade, dass es bei dir mit der Passform nicht geklappt hat! Vielleicht sind die Vintage-Kleider von Gertie Hirsch was für dich?
      Ich nutze das Buch allerdings eher als “Inspirations-/Wissensbuch” denn als Schnittmuster-Sammlung!
      Liebe Grüße, Melanie

  3. Katja Weil

    Liebe Melanie, die Nähutensilien auf dem Foto kommen mir doch sehr bekannt vor :-). Toll, dass Du Dir die Zeit nimmst, Nähbücher zu rezensieren. Dieses Buch interessiert mich für meine im Aufbau begriffene Sammlung. LG Katja

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