Nähen für mich

Agnes oder Jersey Nähen mit einer normalen Nähmaschine

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Hallo ihr Lieben!

Als ich angefangen habe zu nähen, habe ich mich (wie wahrscheinlich die meisten Anfänger) strikt an Webware gehalten. Ich habe zwar auf den Blogs und auf Instagram die Jersey-Shirts und –Kleider der andere bewundert, aber gleichzeitig war dort auch immer von „Ovis“ die Rede, und vom „overlocken“ und von den „Overlock-Messern“ und irgendwie hat mich das überfordert. Ich hab auf der 25 Jahre alten Pfaff von meiner Mutter genäht, und was eine Overlock-Maschine ist, musste ich erstmal googeln. Nach dem Googeln war ich dann überzeugt, dass man mit einer normalen Nähmaschine keine Stretch-Stoffe nähen kann, und dass ich damit halt warten muss, bis das Budget erstmal einen Ersatz für die Pfaff und irgendwann später dann vielleicht auch mal eine „Ovi“ hergibt. Aber dann bin ich über Tilly and The Buttons Onlinekurs „Sewing Knit Fabric on a Regular Sewing Machine“ gestolpert – perfekt für mich! In dem Kurs erklärt Tilly in mehrere Videos, worauf man beim Nähen mit Stretchstoffen mit einer „normalen“ Nähmaschine achten muss. Man näht in dem Kurs unter Anleitung das Shirt Agnes, ich konnte also „mit Anleitung“ meine Agnes mit meiner alten Pfaff-Maschine nähen!

Für diejenigen, die es interessiert, wie man Jersey mit der normalen Nähmaschine näht, habe ich Tillys Tipps kurz zusammengefasst (alle anderen einfach beim nächsten Absatz weiterlesen): Erst einmal sollte man eine Stretch-Nadel verwenden. Die Stretch-Nadel hat eine abgerundete Spitze und sticht damit sanfter durch das Stretch-Gewebe (der englische Name „Ballpoint needle“ drückt das ganz schön aus, finde ich). Damit die Nähte sich beim An- und Ausziehen des Teils mit dem Stretch-Material mitdehnen und nicht reißen, näht man nicht mit einem Gerad-, sondern mit einem Zick-Zack-Stich. Bezüglich Länge und Breite des Zick-Zack-Stiches kann man ein bisschen rumprobieren, das ist auch materialabhängig. Ich nehme gerne die Stichbreite 1,5mm mit der Stichlänge 2mm. Alle Zier- und Absteppnähte, die sich nicht dehnen müssen (z.B. der Saum) werden mit 2x2mm „ge-zickzacked“. Schöner ist es sicherlich, die Säume mit einer Zwillingsnadeln zu machen, aber das Kurs ist ja für Anfänger gedacht, und für mich war damals ein ebenmässiger Zick-Zack-Stich schon schwer genug… Wenn’s die Nähmaschine kann, hilft es auch sehr, den Nähfußdruck zu senken. Der Stretchstoff läuft dann besser durch die Maschine und verzieht sich nicht so sehr. Meine Pfaff konnte das nicht, ich habe den Trick erst mit meiner Elna ein paar Monate später ausprobiert – meine Agnes ist auch so was geworden, aber das Jerseynähen funktioniert mit niedrigerem Nähfuss-Druck schon besser. Soviel zu Tillys Tipps! Aber zurück zu meinem Shirt Agnes.

Agnes ist ein Basic-Shirt mit einem runden Halsausschnitt und Dreiviertel-Ärmeln. Das Schnittmuster beinhaltet aber noch eine ganze Reihe von Varianten: Man kann lange Ärmel nähen, gerüschte Ärmel, einen V-Ausschnitt und einen etwas gerüschten Ausschnitt. Ich bin eigentlich nicht so der Rüschen-Fan, aber weil es ein Kurs war, wollte ich so viel wie möglich lernen und habe mich entschieden, die Ärmel zu rüschen. Das wird mit einem Gummiband gemacht, das man während dem Nähen stark anzieht. Wenn die Naht fertig ist, schnellt das Band wieder auf die Originallänge zurück und zieht den Stoff in Rüschen – und fertig ist der Rüschen-Ärmel. War eine super gute Technik zum Lernen (ich hab sie später gleich bei einem gesmokten Kleid angewendet) – aber das Ergebnis mit den Ärmeln ist nicht wirklich mein Stil…

 

Die Agnes ist ein sehr körpernah geschnittenes Shirt, und es lohnt sich, bei die Maße des fertigen Teils genau zu checken, bevor man seine Größe wählt. Ich hatte beim Nähen noch nicht so viel Erfahrung mit dem Lesen von Schnittmustern und habe daher einfach meine Kaufgröße genommen. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, ist das Ergebnis etwas eng… Das liegt teilweise auch an dem Stoff, den ich verwendet habe, ein sehr festen Jersey vom Stoffmarkt Holland. Mittlerweile vermute ich, dass er stark polyesterhaltig ist, die Atmungsaktivität des Shirts ist nämlich nicht so gut ;-). Zusammengefasst ist meine erste Agnes also nicht mein Lieblingsteil. Das Schnittmuster an sich finde ich aber klasse, und ich werde es diesen Sommer sicherlich auch wieder vernähen (ohne Rüschen, einfach als Basic-Teil). Aber ich fürchte, meine Rüschen-Agnes wird mein erstes selbstgenähtes Teil, das ich an Oxfam spenden werde. Vielleicht hat ja jemand anderes mehr Freude daran! Aber jetzt zum Flying Needle-Fazit:

Schnittmuster: Shirt Agnes von Tilly and The Buttons (erhältlich als PDF– oder Papierschnittmuster, und als PDF im Rahmen des Online-Nähkurses)

Stoff: fester Jersey vom Stoffmarkt Holland

Änderungen/Anpassungen: da das Shirt so eng war, habe ich an der Nahtzugabe 1cm auf beiden Seiten ausgelassen (Nahtzugabe 1,5cm). Außerdem habe ich das Shirt gekürzt, indem ich einfach unten Stoff weggenommen habe; das Schnittmuster beinhaltet aber Kürzungslinien, wenn man dort kürzt, fällt die Shirtform besser aus

Fazit: Die Agnes ist ein schönes Basic-Schnittmuster, und der Online-Kurs ist toll für Anfänger. Die Rüschenoptionen sind nicht so meins, aber das ist reine Geschmackssache, und man muss sie ja auch nicht machen.

Was macht ihr mit eurer selbstgenähten Kleidung, wenn sie euch nicht mehr gefällt? Fällt es Euch auch so schwer, Euch zu trennen?

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Die Bilder von meiner Agnes haben wir vor dem Schloss Grünwald gemacht, und am Pilsensee in Hechendorf

Linkparty: CreaDienstag, Freutag

 

16 Comments

  1. Klingt als hättest du viel gelernt und Spaß gehabt, und das ist sowieso das Wichtigste 🙂 Meins sind so gerüschte Ärmel auch nicht, aber ich kann mir gut vorstellen dass es Spaß macht die zu nähen. Und auch dabei hast du ja was gelernt. Ich nehme Shirts die mir nicht gefallen für zu Hause und wenn sie dann durchgetragen sind schmeiße ich sie reinen Gewissens weg 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

  2. Stephi

    Also die Rüschentechnik ist gut, aber mein ding wären die ärmel auch nicht ☺️. Ich hab meine genähten sachen letztens an eine gruppe für sternchen- und frühchennäherinnen gespendet, die schneiden da einfach was neues aus und geben es dann in Krankenhäusern ab.
    Ich hab ja auch einige zeit mit der normalen nähmaschine jersey genäht und bin mit dem fake-overlockstich gut ausgekommen, aber mit der ovi geht es halt einfach schneller – also ich möchte sie nicht mehr missen 😉

    1. Melanie

      Hi Stephi! Wie hast du das mit dem Fakestich mit der Nahtzugabe gemacht? Mein Fakestich geht nur auf 0,5cm, die UK-Nahtzugaben sind 1,5cm und das Füßchen muss am Rand “fahren” für den Stich. Schneidest du vorher ab? Ich versäubere nur aktuell mit dem Stich, weil ich das Rätsel nicht lösen konnte ;-)… Danke für Tipps, liebe Grüße, Melanie

      1. Stephi

        Genau, ich hab die nahtzugabe beim zuschneiden angepasst, die meisten deutschen sm sind ja ohne, dann hab ich 0,5 hinzugefügt oder ansonsten weggenommen. Übertrage alle sm sowieso auf baufolie um nicht das original zu zerschneiden und dann hab ich auf der folie geändert und ausgeschnitten. Jetzt mit der ovi sind es meist 0,7m und mache es imme noch so.

  3. Huhu,

    ich nähe auch “nur” mit einer normalen Nähmaschine. Den Hype um die Overlocks habe ich auch noch nicht so ganz verstanden. Ich habe die ganzen Stiche, die für Jersey geeignet sind (Sägeblatt, Federstich, Überwendlingstiche) letztens Mal mit kleinen Jersey-Stücken ausprobiert, um sie mal direkt mit einander vergleichen zu können. Ich nehme für dünnen Jersey auch gern den Sägeblattstich – das ist letztendlich ein schmaler Zickzack. Für dickere Stoffe, bei denen die Nahtzugabe versäubert werden soll, nehme ich einen der Überwendlingstiche und für dicke Stoffe den Federstich, weil der breiter ist.
    Die Nahtzugabe passe ich einfach entsprechend an.

    LG Nadi

    1. Melanie

      Hallo Nadi, das ist eine gute Idee mit dem “Stich-Beispielen”. Das werde ich vor meinem nächsten Jersey-Stück gleich mal probieren, danke für den Tipp! Viele Grüße, Melanie

  4. Soo schöne Fotos! Die Ärmel sind bei diesem Schnitt absolute HIngucker und ich gebe Dir Recht – je nach Stoff fällt gerade bei Shirts die echte und die gefühlte Weite anders aus. LG Kuestensocke.

    1. Melanie

      Liebe Küstensocke, danke fürs Kompliment! Mal sehen, wie eng/weit meine nächste Agnes wird :-). Viele Grüße, Melanie

  5. Die weiten Ärmel bei Agnes gefallen mir bei den meisten Beispielen nicht, aber an Dir sieht es sehr stimmig aus!
    Ich habe auch viele Shirts mit der normalen NäMa genäht, mit Zickzag- oder Overlockstich, natürlcih geht das. Mittlerweile bin ich aber auch auf die Ovi umgestiegen, da es schneller geht und haltbarere Nähte gibt. Aber ich verstehe jeden, der die Kosten und vor allem den Platzbedarf einer zweiten Maschine scheut.
    Es gibt übrigens auch die Möglichkeit, Jersey mit einem dehnbaren Faden, dann mit dem normalen Geradstich der Nähmaschine zu nähen. Soll auch sehr gute Ergebnisse geben, habe ich aber noch nicht selbst probiert.
    LG Barbara

    1. Melanie

      Hallo Barbara, danke für das Kompliment und vor allem für den Tipp mit den dehnbaren Faden – das werde ich mal ausprobieren! Viele Grüße, Melanie

  6. Gut, dass du auch sagst, die Rüschen sind nicht deins… Genau das hab ich auch gedacht, als ich das Bild sah. Aber wie sagt der fränkische Fussballpoet: Again what learned.
    Ich habe eine Ovi und eine Cover. Obwohl ich die gerne und viel nutze, finde ich trotzdem, dass es auch ohne geht. Daher steht in meiner Zweitwohnung auch nur alte Privileg (mit verstellbarem Nähfussdruck) und meine Wäsche nähe ich auf einer ganz einfachen Bernina.
    Alles kann, nichts muss.
    LG
    Tanja

    1. Melanie

      Hallo Tanja, ich denke, die Overlock wird auf der Geburtstags- oder Weihnachtswunschliste stehen :-). Aber du hast Recht, das dann als Luxus, weil es geht ja auch gut so! LG, Melanie

  7. Das Shirt sieht total genial aus… so ein ähnliches Kaufshirt hatte ich mal vor einigen Jahren… gleiche Farbe und auch so die Ärmel…. und ich hab jahrelang auch auf meiner normalen Maschine Jersey genäht… wobei ich seit Oktober eine Ovi hab und die nicht mehr missen mag… geht so viel schneller und schöner.
    Viel Spaß also beim sparen.
    Den Schnitt muss ich mir auch mal angucken.
    Grüße Sonnenblume

    Grüße Sonnenblume – die jetzt öfter bei dir guckt.

    1. Melanie

      Liebe Sonnenblume, danke für das Kompliment! Ich bin mal gespannt, wie schnell das Jersey-Nähen dann mit der Ovi geht – ich denke, die Anschaffung steht dieses Jahr noch an :-)! Viele Grüße, Melanie

  8. Hallo, das ist wirklich ein tolles Shirt was du genäht hast. Die Rüschenärmel sind auch nicht so meins, aber an dir finde ich das aber gut. Habe auch eine Pfaff und habe mir ein Pyjamahose genäht, mit Jersey habe ich auch nicht so die Erfahrung. Da hilft mir dein Post es auch mal zu wagen.
    Liebe Grüße
    Bo

    1. Melanie

      Hallo Bo, ja, probier das auf jeden Fall! Das Tolle ist, das man mit Jersey nicht so viel am Schnittmuster arbeiten muss für die Passform – ich find’s also sehr geeignet, um loszulegen! Dir viel Spaß dabei und berichte ruhig mal von deinen Erfahrungen! Viele Grüße, Melanie

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