Coco von Tilly and The Buttons
Nähen für mich

Unfreiwilliger Coco-Hack

This post is also available in English!

Hallo Ihr Lieben,

Als ich mein erstes Coco-Kleid von Tilly and The Buttons genäht habe, habe ich schon während des Nähens beschlossen, dass ich von dem Schnitt unbedingt noch eine Pulli-Variante brauche. Ich bin so begeistert von dem „Jackie-Kennedy/60ies-Rollkragen“, und ich wollte den auch zu Jeans tragen können. Außerdem ist in dem Schnittmusterbogen bereits eine Saum-Linie für einen Pulli eingezeichnet, ich dachte also: Eine schnelle Sache!

Coco von Tilly and The Buttons - Kragen

An einem verregneten Sonntag Mittag habe ich das Projekt „Coco Pulli“ also in Angriff genommen – wir waren am Abend verabredet, und ich wollte gerne ein neues Teil ausführen. So weit der Plan… die Umsetzung war dann doch nicht so simpel ;-). Aber der Reihe nach: Ich bin recht klein, und als ich mir die Modell-Fotos angesehen habe, haben mich die Zweifel beschlichen, ob die vorgesehene Länge für mich wirklich die richtige ist. Eigentlich trage ich alle meine Oberteile etwas kürzer als hüftlang, und der Coco-Pulli hat eher Tunika-Länge. Ganz profi-mässig habe ich also meine gewünschte Länge – eben kurz über der Hüfte – gemessen, das Schnittmuster an der von Tilly vorgegebenen Kürzungslinie aufgeschnitten und an die neue Länge angepasst. Der Stoff lag auch schon bereit – ein schwarz-grau gemusterter Romanit-Jersey, den ich in Krakau gekauft hatte, und der von Gewicht und Musterung super gut zu der Kragenform passt (kein Pattern Matching ;-)).

Coco von Tilly and The Buttons - seitliche Ansicht

Ich habe also mein geändertes Schnittmuster zugeschnitten, die Teile schnell zusammengenäht und vor dem Säumen kurz anprobiert, um die Länge nochmal abzustimmen. Tja…. was soll ich sagen… ich hatte beim Messen und Zeichnen a) die Nahtzugabe für den Saum vergessen und b) die abgerundeten Kanten von der Tunika-Länge auf meine kürzere Länge einfach übertragen. Und dabei vergessen, dass das Teil auf Taillenhöhe wesentlich schmaler ist, ich also die Kurve hätte abflachen müssen. Jetzt war das ganze Teil also viel zu kurz, an Säumen war gar nicht mehr zu denken, und die steile Rundung an den beiden Seiten sah unmöglich aus. Ich war sooooo enttäuscht, und hab mich so sehr über mich selbst geärgert, dass ich mir nicht mehr Zeit genommen hatte! Glücklicherweise musste ich abbrechen, weil wir zu unserer Verabredung mussten – so konnte ich mich nicht weiter ärgern, und vor allem das Ganze auch nicht verschlimmbessern.

Coco von Tilly and The Buttons - Rückenansicht

Die nächsten Tage habe ich immer wieder drüber nachgedacht, wie ich das Top noch retten könnte – ich mochte den Stoff so gerne, es hätte mich total geärgert, ihn wegwerfen zu müssen. Ein genaues Studium der Bilder auf Tillys Seite brachte dann die rettende Idee: Die Oberteil-Variante war ja sowieso mit Schlitzen versehen – warum also nicht einfach eine Art „geschlitztes Bündchen“ anbringen? Gesagt, getan. Ich habe erstmal das Top auf Höhe des Nahtendes der Seitennähte gerade rundum abgeschnitten und damit den abgerundeten Saum eliminiert. Als nächstes habe ich zwei Stoffstreifen zugeschnitten: einen in der Breite des Vorderteils, einen in der Breite des Rückenteils (diesmal doppelt und dreifach gecheckt zzgl. Nahtzugabe). Die notwendige Höhe habe ich an der gewünschten Gesamtlänge des Oberteils orientiert, habe also die „fehlenden“ Zentimeter mal zwei genommen, weil ich die Streifen zusammenklappen wollte (und wieder dreimal gecheckt, ob ich an die Nahtzugabe gedacht habe). Dann habe ich beide Streifen rechts auf rechts an den schmalen Seiten zusammengenäht und gewendet. Die fertigen „Bündchen“ habe ich dann jeweils an Vorder- und Rückseite des Oberteils angenäht – die Seiten sind damit offen und erzeugen die Schlitze. Vor der Anprobe habe ich ordentlich gezittert – und war dann überglücklich, weil mir das Ergebnis wirklich gut gefallen hat!

Coco von Tilly and The Buttons - mein unfreiwilliger Hack mit Bündchen

Coco von Tilly and The Buttons - Ärmel Detail

Die Bündchen spiegeln den Rollkragen und die Ärmelbündchen total schön, finde ich – und weil das Muster vom Stoff so unruhig ist, gibt es auch keinerlei Probleme mit Fehlern beim Patternmatching. In Summe gefällt mir mein unfreiwilliger Hack jetzt sogar besser als die ursprünglich geplante Version – ich hab das jetzt sogar so auf meine Schnittpausen aufgezeichnet, und werde die nächste Variante wieder so nähen. Aber nun zum zweiten Flying Needle-Fazit für Coco (hier findet ihr das Fazit für das Kleid):

Schnittmuster: Coco von Tilly and The Buttons (erhältlich als PDF Download oder Papierschnitt, beide auf englisch)

Stoff: Romanit-Jersey, gekauft in Krakau

Anpassungen/Änderungen: geplant war eine Kürzung der vorgesehenen Pulli-Länge; draus geworden ist eine Kürzung plus zusätzliche, selbst erstellte Saum-Bündchen

Fazit: Coco ist dank des tollen Ausschnitts nach wie vor eines meiner liebsten Schnittmuster – wenn man meine Mess-Fehler und die dadurch notwendig gewordenen Anpassungen mal weglässt, ist Coco auch schnell genäht. War also sicher nicht meine letzte Variante!

Habt ihr ein Schnittmuster auch schon mal völlig verhunzt? Wenn ja, wandern die bei Euch dann gleich in die Tonne, oder lasst ihr die UFOs liegen, bis ihr eine rettende Idee habt? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar mit Euren Tipps! Hier gehts jetzt ab zum MeMadeMittwoch

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Coco von Tilly and The Buttons - Vor dem Golf von Tain
Die Fotos von meinem Coco-Pulli haben wir in Schottland gemacht, im Garten des tollen Golf View House in Tain!

Verlinkt zu Freutag

18 Comments

  1. Ani Lorak

    Wunderbar. Das macht es doch aus. Kein Teil für die Tonne. Perfekt gelöst und es sieht aus, als wäre das von Anfang an der Plan gewesen..
    Schick. Bislang könnte ich das Meiste retten und wenn es mir nicht an mir gefiel, dann habe ich mich getrennt. Ganz einfach jemand anderen glücklich gemacht.

  2. Sehr gut gerettet, würde man nicht erahnen, dass es ein kleines Drama gab! Ich finde den Stoff sehr schön für den Schnitt und der Stehkragen ist wirklich hübsch 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

    1. Melanie

      Liebe Katharina, dank dir! Ich bin auch so dermaßen in den Kragen verliebt, dass ich mich richtig zwingen muss, ein anderes Schnittmuster zu nähen ;-). Liebe Grüße, Melanie

  3. Das mit dem geschlitzten Bündchen muss ich mir merken! Ich habe auch schon Schnittmuster verhunzt. Mein erstes Mollytop hab ich geschrottet, weil ich das Halsbünbchen falsch zugeschnitten und vor allem den völlig falschen Stoff verwendet hatte. Aber dafür schlafe ich da jetzt gerne drin.
    Liebe Grüße, Steffi

    1. Melanie

      Das Molly-Top steht bei mir für das Wochenende auf der Kiste, da werd ich dann besonders vorsichtig sein ;-)! Liebe Grüße, Melanie

  4. Ist echt superschön geworden!!!
    Ich denke auch immer so lange, bis mir eine Lösung einfällt. Leider passieren solche Fehler ständig, aber ich sehe das inzwischen als Kreativitätsheruasforderung;o)

    Glg Kirsten

    1. Melanie

      Danke dir, Kirsten!!

  5. Uta

    Das Shirt ist wirklich ein Traum. Die Schlitze am unfreiwilligen Bündchen finde ich toll. Sie geben dem Shirt ein zusätzliches nettes Extra.
    Ende gut. Alles gut.
    LG Uta

    1. Melanie

      Danke dir Uta! Sag mal, kann man deinem Blog auch außerhalb von Blogger folgen? Ich finde ihn richtig toll! Viele Grüße, Melanie

      1. Uta

        Oooh, lieben Dank Melanie!
        Ich habe erst seit Mai meinen Blog und bin deswegen völlig ungeübt. Ich dachte, „Follower“ geht immer?!?
        Was bietet sich denn noch an?

        Mir geht im übrigen dieser tolle, tolle Kragen nicht aus dem Kopf. Sofern ich den selber konstruiert bekomme, würde ich (zunächst noch ;-)) auf den Schnitt verzichten.Ist der Kragen einfach nur ein „gerader Schlauch“ im Bruch oder ist da schnitttechnisch „mehr Form“ drin? Ist der Kragen verstärkt? Oder steht der nur aufgrund des Romanits so schön?
        LG Uta

        1. Melanie

          Hallo Uta!
          Du hast richtig vermutet, der Kragen ist ein gerader Schlauch. Der „60ies Style“ kommt dadurch zustande, dass er an einen relativ weiten Ausschnitt genäht wird. Wenn du Bilder von Coco googelst, findest du auch welche ohne Kragen, da sieht man die Ausschnittform ganz gut. Verstärkt habe ich ihn nicht, er steht in meinen beiden Versionen (Pulli und Kleid) durch den Romanit von alleine sehr schön!
          Wegen dem Follower: Dazu muss man ein „Blogger“-Konto haben bzw. sich anmelden, das Konto hab ich leider nicht :-(. Du kannst mal schauen, ich habe meine Anmeldungen über ein WordPress-Plugin gemanaged, so dass sich Leute nur per Mail anmelden können, ohne Konto. Vielleicht gibt’s das auch bei BlogSpot? Ansonsten ist Bloglovin noch ein Aggregator, über den man Follower bekommen kann, da kannst du deinen Blog auch anmelden, dann können dir Leute auf Bloglovin folgen. Ich werde einfach zukünftig häufiger auf deinen Blog schauen, ob’s was Neues gibt! Viele Grüße, Melanie

          1. Uta

            Lieben Dank für Deine ausführliche Antwort!
            Ich schaue auch bei Dir immer wieder gern vorbei.
            Bis Morgen 😉

  6. Dodosbeads

    Das ist aber wirklich eine tolle kreative Rettungsaktion! Sieht sehr schön aus so!
    Magst Du bitte noch den link zum MeMadeMittwoch aktivieren?
    LG Dodo vom MMM Team

    1. Melanie

      Liebe Dodo, gleich „repariert“! Sorry, das hat es beim ersten Mal wohl nicht gespeichert!

  7. Das Shirt ist prima geworden, gefällt mir sehr gut!
    LG Carolin

    1. Melanie

      Danke dir Carolin! Ich hab mir grad Dein Schwalben-Shirt angeschaut, sieht richtig toll aus!

  8. Ach, wie beruhigend, dass auch anderen solche Sachen passieren – und dass es trotzdem Möglichkeiten gibt, die Stücke zu retten! Davon könnte ich auch ein Lied (mit vielen Strophen) singen. Aber vielleicht macht gerade das die Kreativität aus?!?
    Jedenfalls ist das Oberteil richtig schön geworden, und es dann auch noch in Schottland präsentieren zu können – da kommt ein ganz klitzekleines bisschen Neid auf… Also schnell wieder an die eigenen Projekte (und den eigenen Urlaub) denken! :o)

    1. Melanie

      Danke dir, Ulla! Du hast recht, wenns schief geht, ist die Kreativität so richtig gefordert :-)!

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