Nähen für mich

Purl Soho’s Wear Anywhere Tunic aka „Pocahontas-Kleid“

This post is also available in English!

Hallo Ihr Lieben!

Ich mache eigentlich keine Badeurlaube. Ich langweile mich zu schnell, und hab immer den Drang, die Umgebung zu besichtigen. Also reisen wir im Urlaub meistens herum und machen viele verschiedene Stops. Letztes Jahr waren wir auf Sri Lanka, und weil es so irrsinnig heiß war, haben wir doch ein paar Tage am Strand eingebaut. Und da ist mir aufgefallen, dass ich zwar eine Menge sehr praktische Urlaubs- und Städtereise-Klamotten besitze, aber keine weite Tunika oder ähnliches, die man an einem Strandtag einfach über den Bikini drüber ziehen kann. Das nächste Näh-Projekt war also gesetzt – und als ich ein paar Tage später kurz vor unserer Abreise in der Stadt Gaul noch zufällig über einen Stoffladen stolperte und einen total verrückten pink-orangenen Stoff mit Blumen-Bordüre sah, war die Stoffauswahl auch schon getroffen.

Nur der richtige Schnitt musste her, vor allem einer, der mich die Bordüre würde nutzen lassen. Ich habe relativ lang im Internet gesucht, bis ich zufällig auf das Label „Purl Soho“ gestoßen bin. Purl Soho bietet einen (kostenlosen) Schnitt für die „Wear Anywhere Tunic“ an, der mir ideal erschien: Weit geschnitten, ohne komplizierte Verschlüsse und mit einem gerade Rockteil, der von den Maßen her genau mit der Bordüre auf meinem Stoff übereinstimmte. Das heißt, eigentlich stimmten meine Maße mit der Bordüre überein, man konstruiert sich den Schnitt nämlich auf Basis seiner Körpermaße aus einfachen Rechtecken.

Ich habe mich also ans Werk gemacht – und erst einmal geflucht. Ich hatte letztes Jahr noch nicht so viel Näherfahrung, und ich hatte noch nie mit einem so rutschigen Stoff gearbeitet. Und weil ich das Muster auf dem Rock einigermaßen symmetrisch haben wollte, war das Rumgerutsche des Stoffs auf dem Zuschneide-Tisch nicht lustig. Ich habe mich erstmal total verschnitten und konnte den ersten Zuschnitt vom Rockteil nicht nutzen (den habe ich nachher zu einem Shirt weiterverarbeitet, wird noch gebloggt). Aber letztendlich, mit vielen Gewichten und Nadeln und einem einfach gelegten Zuschnitt (statt im Bruch) hatte ich schließlich alle Teile beisammen.

Das Nähen an sich ging schnell – das Teil besteht eigentlich nur aus schnurgeraden Nähten, der einzige etwas aufwändigere Schritt ist die Herstellung des Tunnelzugs für das Band, das die Tunika unter der Brust auf Form bringt. Purl Soho bietet eine sehr gute Anleitung, die in Schritt-für-Schritt-Bebilderung auch zeigt, wie man die Nähte innen schön verarbeitet. Ich kenne den Fachausdruck nicht, aber jede Nahtzugabe wird nochmal nach innen eingeschlagen und mit einer extra Naht festgesteppt. Ich habe extra ein oranges Nähgarn dafür verwendet, damit die Nähte auf dem pinken Stoff besser zur Geltung kommen (und zu den Blumen passen).

Purl Soho Tunic ist der perfekte Sommer-Begleiter

Am Schluss wurde ich etwas übermütig, und prompt ist mir ein Fehler unterlaufen: Ich war der Meinung, dass die Maße der Bindebänder viel zu lang angegeben waren, und dass ich mit einem viel kürzeren Stück auskommen würde. Was ich nicht bedacht hatte: Ich muss die Bänder an den Seiten ja noch zu einer Schleife binden! Die wurde dann arg kurz, weil genau dafür die „Mehr-Länge“ berechnet war. Ich hatte nicht mehr genug Stoff, um neue Bänder zu schneiden, also habe ich das erstmal so gelassen. Aber über die Zeit haben mich die kurzen Schleifen dann doch genervt – und ich habe mich entschieden, sie mit Kontrast-Stoff zu verlängern. Deswegen ist jetzt ein Teil der Bindebänder aus dem Stoff von der Tunika, und der andere Teil ist oranger Chiffon.

War zwar nicht so gedacht, aber der Effekt gefällt mir jetzt eigentlich ganz gut! Zu guter Letzt: Warum „Pocahontas-Kleid“? Das ist meinem Mann zu verdanken – als wir neulich Bilder von der Tunika gemacht haben, hat er mich am nächsten Tag gefragt, ob ich denn nicht mein „Pocahontas-Kleid“ wieder anziehen möchte… Aber nun zum Flying-Needle-Nähblog-Fazit:

SchnittmusterWear Anywhere Tunic von Purl Soho (kostenloses Tutorial)

Stoff: undefinierbar, ich glaube, Viskose und Polyester-Mischung aus Sri Lanka (für 2,50m den Meter, ich ärgere mich so, dass ich dort nicht viel, viel mehr gekauft habe!!)

Änderungen/Anpassungen: Die Tunika wird nach den eigenen Körpermaßen konstruiert, daher keine Änderungen am Schnitt

Fazit: Ich mag die Tunika, vor allem, weil ich so in den Stoff verliebt bin. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich so noch einmal nähen werde – das liegt nicht am Schnitt selbst, sondern mehr daran, dass mittlerweile der Charlie Caftan von Closet Case Patterns auf dem Markt ist, den ich auch sehr schön finde…

Habt ihr Charlie oder einen anderen Kaftan-Schnitt genäht, den ihr empfehlen könnt? Wenn ja, dann verlinkt oder empfehlt Eure Varianten gerne in den Kommentaren!

Die Purl Soho Wear Anywhere Tunic könnte sich etwas aufgehübscht mit hohen Schuhen und Schmuck auch auf einer Gartenparty gut machen!

Verlinkt bei MeMadeMittwoch!

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12 Comments

  1. oh ja, so ein Kleid zum einfach drüberwerfen ist super, das habe ich jetzt im Sommerurlaub auch wieder germerkt (zum Glück hatte ich mir eins genäht, das es aber noch nicht auf den blog geschafft hat)!
    deins gefällt mir sehr gut und die Fotos an dem wunderschönen Teich (?) sind einfach perfekt!
    besonders gefällt mir das oberste, wo du den Fuß reinhängst…

    LG
    sjoe

    1. Melanie

      Danke Sjoe! Die Bilder sind am Pilsensee entstanden, in der Nähe von München!

  2. Hallo!
    Wunder Wunderschön dein Kleid. Und der Stoff.zum träumen. Das glaube ich dir schon das dein Kleid schwierig war zu nähen man muss auf viele Sachen auf passen. Aber das Ergebniss. Einfach klasse. :-)))
    Schöne Grüße von Sabine

  3. Ani Lorak

    Schöne Farben! Gefällt mir gut die Tunika. Zum Überwerfen habe ich diesen Sommer Frau Julie von Fritzi Schnittreif und Sommerbluse von Leni.Pepunkt. getragen. Und jetzt wenden wir uns langsam dem Herbst zu…. Schade!

  4. Ich musste auch sofort an den Charlie Kaftan denken. Dann habe ich mich aber gefreut, dass du einen anderen Schnitt genäht hast, denn so erfahre ich wieder von einer Schnittmusterfirma die ich bisher nicht kannte.
    Die Farben und Muster sind wirklich perfekt für ein solches Strandkleid. Und auch die Bindeband-Kombi sieht aus wie gewollt 🙂 Sowas fuchst wirklich immer, wenn es am Ende an ein paar cm Stoff scheitert. Aber sehr gut gelöst. Tolle Tunika!
    Viele Grüße, Melanie

    1. Melanie

      Danke dir, Melanie! Ich freu mich auch immer, von neuen Schnitten zu erfahren!

  5. Ich habe ja von meiner Mama die Praxis übernommen im Sommer daheim nur Kaftans mit Riesenmustern zu tragen. Sie hat sich das in den 70ern bei den Marokkanerinnen abgeschaut. So luftig, so bequem, viel zu schade nur als Strandüberwurf. Würde meine auch draußen tragen, aber den Blicken halte ich (noch) nicht stand.

    1. Melanie

      Trau dich, Dalia! Man ist im Kaftan immer gut gekleidet!

  6. Purl Soho kannte ich nur vom Stricken, Schnittmuster sind mir komplett entgangen.
    Wunderbares Kleid, danke fürs Zeigen!
    Liebe Grüße,
    Sandra

    1. Melanie

      Ja, lustig, mir gings genau andersherum, ich hab erst vor kurzem festgestellt, dass Purl Soho auch Strick-Sachen hat!

  7. Wunderschönes Kleid! Gerade die Kombination von Stoff und Schnitt finde ich bei diesem Kleid besonders gut gelungen. Und die Fotos sind auch ganz toll!
    LG Yvonne

    1. Melanie

      Danke dir, Yvonne!

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